Aus der Schule in die Praxis des Berufsalltags


Ostbevern / Warendorf. Die gefüllte Zink-Gießkanne ist schwer. Mit beiden Händen anfassen, kippen: Da wird nicht nur die Blumenerde nass. Auch die schicke Jeans bekommt einige Tropfen Wasser ab. Das stört die Schüler der 8. Klassen der Josef-Annegarn-Schule allerdings nicht. Schließlich sind sie ins Berufsorientierungscamp der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) in Warendorf gekommen, um ein Stück vom Alltag in verschiedenen Berufen kennenzulernen. Im Gartenbau gehören dazu gelegentlich auch nasse Füße.

Schulleiter Karsten Mensig weis, dass junge Menschen oft nicht wissen, wie es nach der Schule weitergehen soll. „Sie sind häufig orientierungslos, haben ihre Fähigkeiten noch nicht erkannt und keine Vorstellung davon, welche Berufe für sie in Frage kommen.“ Deshalb ist er froh darüber, den Jugendlichen aus Ostbevern konkrete Hilfestellung anbieten zu können. Unter Anleitung erfahrener Ausbilder dürfen sie in den Bereichen Landwirtschaft, Gartenbau, Lagerlogistik und Metallverarbeitung selbst Hand anlegen: Pflanzen pikieren und eintopfen, pflügen und eggen, mit Hammer und Stahlnadel Bleche anreißen, mit Verpackungsgeräten Waren versandfertig machen.

Wenn auch die eine oder andere Gruppe dabei „etwas albern“ ist: im Prinzip klappt es gut. Nicht nur bei der DEULA, wo gestern zwei Gruppen die Praxis erprobten. Zwei weitere Teams der Ostbeverner Haupt- und Realschule waren zeitgleich auf dem Hof Beverland bei Dirk Boll zu Gast. Wie Berufswahl-Koordinatorin Hedwig Flaute berichtet, erprobten sie dort im Niedrigseilgarten ihre Teamfähigkeit und gingen bei Adventure-Spielen an ihre Grenzen. „Es ist wichtig, dass die Schüler erkennen, was sie sich zutrauen können und dass sie über vermeintliche Hindernisse hinweggehen können“, erklärt die Pädagogin. Dies kömme ihnen nicht nur im späteren Beruf, sondern auch bereits bei Bewerbungen zugute.

Ob beim Stapler-Slalom, beim Karton falten, beim Feilen oder beim Überwinden von Hindernissen: Die Schüler hatten offensichtlich Spaß daran, sich praktisch mit der Arbeitswelt auseinanderzusetzen. „Lediglich am Nachmittag schwächeln einige ein wenig“, schmunzelt Karsten Mensing. Was kein Wunder sei, schließlich seien die Jugendlichen es aus ihrem Schulalltag nicht gewohnt, so lange konzentriert arbeiten zu müssen.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Sigmar Teuber