Das Bike kommt mit aufs Zimmer


Ostbevern - Der Mann ist ständig in Bewegung: Hier verabschiedet er Gäste, dort springt er mal eben an der Rezeption ein, um eine neue Gruppe willkommen zu heißen. Zwischendurch klärt er eine Mitarbeiterin darüber auf...

Ostbevern - Der Mann ist ständig in Bewegung: Hier verabschiedet er Gäste, dort springt er mal eben an der Rezeption ein, um eine neue Gruppe willkommen zu heißen. Zwischendurch klärt er eine Mitarbeiterin darüber auf, dass es „ein absolutes No-go“ sei, wenn morgens um neun Uhr noch nicht alle Tische abgewischt seien. Ihren Einwand, sie habe ihren Dienst schließlich schon vor drei Stunden angetreten und könne nicht alles auf einmal schaffen, lässt Dirk Boll nicht gelten: „Nach einer Tagung ist vor einer Tagung. Dann musst du eben noch früher kommen“. Trotz aller Lässigkeit - dass „Du“ ist normal zwischen Angestellten und Chef - drückt der agile 31-jährige Unternehmer, der seit August 2008 das Landhotel „Hof Beverland“ in Ostbevern führt, kein Auge zu, wenn es um das Wohl seiner Gäste geht.

Der Erfolg gibt ihm recht: Innerhalb weniger Jahre hat Dirk Boll sich vom Jugendgruppenleiter und Feriencamp-Organisator zum Veranstalter von Events, Tagungen und Teamtrainings mit eigenem Ausbildungsbetrieb IHK hochgearbeitet. Sein Erfolgsrezept: Innovationen und ein Arbeitstempo, das gestandene Geschäftsleute staunen lässt.

„Eigentlich begann alles damit, dass ich in der Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprian in meiner Heimatgemeinde Westbevern Jugendgruppen und Feriencamps organisiert und dabei erkannt habe, dass ich Spaß daran habe, für Gruppen Events und Reisen durchzuführen“, erinnert sich Dirk Boll, der sein Abi auf dem bischöflichen Gymnasium Schloss Loburg in Ostbevern erworben und 2000 eine Ausbildung als Reiseverkehrskaufmann absolviert hat. Im gleichen Jahr wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit als Veranstalter von Gruppenreisen ins Münsterland.

Die Sache lief so gut an, dass Boll erst einmal einen Teil eines Bauernhofs in Westbevern pachtete, um seine Gäste bewirten zu können, und wenig später den Hof Beverland in Ostbevern kaufte. Der große Coup gelang ihm dann mit dem Erwerb einer Ruine: des ehemaligen Kaseinwerks in der Nähe des Bahnhofs Ostbevern-Brock, alte Industriegebäude, aus denen der Unternehmer innerhalb von nur drei Jahren das Landhotel „Hof Beverland“ machte.

„Als ich das Gelände und die maroden Hallen von der Gemeinde Ostbevern erworben habe, habe ich Bürgermeister Hoffstädt versprochen, dass dort innerhalb von 15 Jahren etwas passieren würde“, erinnert sich Dirk Boll. Dass innerhalb von nur einem halben Jahr dank der rührigen Gemeindevertreter ein B-Plan-Verfahren abgeschlossen und zweieinhalb Jahre später das heutige Hotel fertig sein würde, damit rechnete er seinerzeit selbst nicht.

Sein Konzept, jedes Zimmer nach einem eigenen Motto zu gestalten - es gibt eine Poker-Suite, ein Mini-Cooper-Zimmer, in dem ein Original-Pkw steht, ein Prinzessin-Lillifee- sowie Bier- und Wein-Zimmer, in denen die Gäste in Fässern schlafen, Harley-Davidson-Räume, die sogar Platz für die Motorräder der Besucher bieten und vieles mehr - ging auf. Und nicht nur das: Heute sind Hof Beverland und das gleichnamige Landhotel auch Orte für große Tagungen und Teamtrainings, die der Chef selbst leitet.

Die Ideen sind Dirk Boll, der freimütig gesteht, dass es „ohne mein Spitzenteam von zurzeit 19 fest angestellten und zahlreichen freien Mitarbeitern nicht geht“, jedoch noch nicht ausgegangen. Heute setzt der Geschäftsmann auf vertikale Expansion: „Wir wollen nicht noch größer werden, sondern unsere Qualität immer weiter verbessern“, sagt er. Dazu gehören für ihn drei Punkte: zunächst der Ausbau der regionalen Küche durch Zucht und Anbau eigener Tiere und Produkte wie schottischer Hochlandrinder (Von der Weide frisch auf den Tisch) und frischen Gemüses. Er möchte sich selbst noch mehr einbringen als Trainer für die Team-Entwicklung. Drittes Ziel ist eine noch größere Vielfalt bei den Programmen von Gruppenreisen und -events. Die Chancen, auch dabei zu punkten, stehen gut für Boll. Schließlich erfährt er nicht nur dann, wenn er abends selbst als Keeper hinter der Bar steht, welche Wünsche seine Gäste haben.