Ruine wird zur guten Adresse


Ostbevern - Wer das Landhotel „Hof Beverland“ heute sieht, der glaubt es kaum: Dieser Ort ist ein Denkmal. Ein historisches noch dazu. Schließlich entstand es aus der Gebäudesubstanz einer 1900 an der Bahnlinie Münster-Osnabrück angesiedelten Privatmolkerei, die ab 1937 zum einst größten Kaseinwerk Deutschlands erweitert wurde. Weil das so ist, darf der heutige Inhaber Dirk Boll die Anlage am Sonntag, 13. September, beim „Tag des offenen Denkmals“ vorstellen.

Das Rahmenprogramm, das von 11 bis 17 Uhr im Landhotel und im dazugehörigen Restaurant „Kaseinwerk“, Schlichtenfelde 22, stattfindet, ist umfangreich. So stellt der Autor Andreas Busch sein Buch über die Geschichte des Bauwerks vor und liest daraus. Eine Ausstellung begleitet die Präsentation. Es gibt Vorträge zur Geschichte des einstigen Kaseinwerks und ein „Beverland“-Krimispiel aus der Zeit der 30er Jahre.

Der „Tag des offenen Denkmals“ hat seinen Ursprung im Nachbarland Frankreich. 1984 dort zum ersten Mal veranstaltet, war die Aktion auf Anhieb ein großer Erfolg. Bald griff der Europarat den Gedanken auf, einmal im Jahr einige Denkmäler zu öffnen, die sonst nicht allgemein zugänglich sind, und sie durch Führungen und Rahmenprogramme erlebbar zu machen. 1993 beteiligten sich bereits 21 Länder an der Aktion. In Deutschland wurde der „Tag des offenen Denkmals“ erstmals am 12. September 1993 durchgeführt.

Neben dem Kreis Warendorf beteiligen sich diesmal zwölf Städte und Gemeinden an der Aktion. Das bundesweite Motto lautet „Historische Orte des Genusses“. Historisch ist das Ostbeverner Werk allemal. Dort wurde zunächst Kasein aus Milch gewonnen und in Verbindung mit Formaldehyd zur Herstellung von Leimen und Kunststoffen eingesetzt. Im Rahmen der Kriegswirtschaft wurden zusätzlich zum Kasein ab 1939 auch Trockenkartoffeln hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens ein. Der Betrieb wurde 1956 eingestellt.

In den folgenden Jahrzehnten verfiel der Gebäudekomplex zunehmend. Zuletzt gammelten auch noch Hunderte alter Autoreifen in zum Teil eingestürzten Hallen vor sich hin. Erst 2005 wurde das Areal einen neuen Nutzung zugeführt. Dirk Boll machte daraus mit Erweiterungsbauten das Vier-Sterne-Landhotel „Hof Beverland“ und das Restaurant „Kaseinwerk“.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Sigmar Teuber